Weihnachten auf der Venus

von Daniela Jäggi

 

Hey Mick

Ich habe keine Ahnung, ob und wie man auf der Venus Weihnachten feiert. Ich nehme an, dass es nicht so aussieht, wie auf dem kreierten KI Bild. Aber ich weiss, dass Du irgendwo da oben auf uns runterschaust und zufrieden mit uns bist – wir haben dieses Jahr gut gemeistert: Unsere Kinder, Enkelkinder, Schwiegerkinder, meine Eltern, unsere Freunde und ich. Du hast uns Deine ganze positive Energie dagelassen und uns die Sicherheit gegeben, nach vorne blicken und weiterleben zu dürfen. Danke Mick!

Vor einem Jahr haben wir das letzte mal gemeinsam Weihnachten gefeiert und ich habe das Gefühl, dass es im letzten Jahr fast schlimmer für mich gewesen ist, als jetzt. Tief im Inneren haben wir gewusst, dass es unser letztes gemeinsames Weihnachtsfest sein würde. Das Krabbenvieh hat Dir damals schon das Leben so schwer gemacht, dass wir mit schweren Herzen gefeiert haben. Wir haben Fotos geknipst wie die Irren, weil wir jeden Moment mit Dir noch festhalten wollten.

Du hast zwar gegrinst, wie Du es immer getan hast – weil Du froh warst, noch einmal dabei sein zu können. Die Schmerzen waren aber da schon heftig – und Du warst tapfer wie immer! Es war aber auch das erste Weihnachtsfest, an welchem Du Dich eher ausgeklinkt hast, weil Du Dich zu Hause hinlegen musstest. Das tat im Herzen fast mehr weh, als die Tatsache, dass Du nun nicht mehr dabei bist.
Auch unsere Fellnase Ellie war damals noch dabei.

Inzwischen seid ihr beide wieder vereint auf eurem neuen Heimatplaneten. Und weil ich weiss, dass ich in diesem Jahr den Gedanken an das Unvermeidliche, was danach auf uns zugekommen ist, nicht mehr haben muss, ist auch meine Angst verschwunden.

Du fehlst, jeden einzelnen Tag. Und es wird wohl bis ans Lebensende immer irgendwie weh tun. Diese ersten Feiertage ohne Dich werden nicht für alle gleich emotional sein. Aber sie zeigen einmal mehr auf, dass da eine Lücke bleibt, die man nicht mehr schliessen kann. Ich möchte diese Lücke auch nicht schliessen. Sie zeigt mir, dass wir etwas hatten, was besonders war. Und egal, was das Leben mir noch bringen wird – einen „Ersatz“ für den Göttergatten wird es nicht geben. Du warst und bist einmalig.

Für unsere Kinder wird es das erste Weihnachtsfest ohne Paps, für unsere Enkel das erste Weihnachtsfest ohne Gropi. Aber es wird auch das erste Weihnachtsfest seit langem, an dem ich nicht immer mit einem Auge schiele, wie Dein Zustand ist oder ob es Dir gut geht.

Ich habe es übrigens bis heute nicht geschafft, Deine Spitaltasche auszuräumen. Ich werde den Geruch dort wohl für immer konservieren. Ich als Nasenmensch (im Inneren wohl ein Trüffelschwein) möchte eigentlich diese Tasche gar nie öffnen. Und wer weiss, vielleicht bleibt sie einfach für immer im von mir kreierten Mick-Schrank, in den ich alle Erinnerungen packe, die mir wichtig sind und die ich behalten will.

Ich schicke Dir ganz viel Liebe auf die Venus und wünsche mir, dass Du schützend Deine Hand auf alle hältst, die uns lieb und wichtig sind.

Du wirst hier sehr vermisst,

I love you Dich (Familiensprichwort)

Dani